Prof. Dr. Spitznas

08. – 16.Dezember 2018

Die Hinreise nach Ghana auf Kosten der German Rotary Volunteer Doctors e.V. (GRVD) war diesmal ein Hindernislauf:

Anreise am Samstag nach Amsterdam mit dem Auto, da der Anschlussflug von Düsseldorf gestrichen worden war, verzögertes Boarding wegen Sturm, vor dem Start große Blutlache am Kabinenboden von einer Wunde am Fuß eines Passagiers, Stillung der Blutung durch mich mittels Druckverband, dennoch Entfernung des Passagiers aus der Maschine mittels Ambulanz, Identifikation des Gepäcks des Passagiers im Rumpf der Maschine, Reinigung des Kabinenbodens durch Putzkolonne, Desinfektion von Boden und Sitzen durch Seuchencrew, Übernahme von Passagieren und Gepäck einer verspäteten Anschlussmaschine aus London und schließlich Abflug mit über 2 ½ Stunden Verspätung.

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Kurz nach dem Servieren des Essens stürzte eine Stewardess auf mich zu und bat mich dringend zu einer Passagierin, der es sehr schlecht gehe. Ich fand eine mittelalterliche Ghanaerin vor, die auf dem Boden lag, sich vor Schmerzen krümmte und dann das Bewusstsein verlor, nachdem sie vorher noch über starkes Jucken am ganzen Körper geklagt hatte. Ich diagnostizierte einen schweren allergischen Schock unbekannter Genese.

Durch Injektion von Cortison, das ich im Notfallkoffer der Maschine vorfand, konnte ich den Zustand der Passagierin, die mittlerweile keinen tastbaren Puls mehr hatte und aufhörte zu atmen so weit stabilisieren, dass sie das Bewusstsein wiedererlangte und eine Notlandung der Maschine vermieden werden konnte. Die weitere Betreuung der Patientin habe ich dann an einen Internisten aus Accra übertragen, der später hinzukam. Immerhin war der Vorfall so gravierend, dass am nächsten Tag in der ghanaischen Presse darüber berichtet wurde.

Die Abholung am Flughafen durch einen Fahrer des Hotels klappte pünktlich und der Weitertransport mit meinen fast 80kg Gepäck zur Golden Crest Lodge war problemlos.

Am nächsten Morgen Abholung durch ein Auto der Anglican Eye Clinic mit Fahrer und Dr. Youfegan.

Der Empfang durch Schwester Aba in Jachie war äußerst herzlich und gefolgt von einer Besichtigung der Räumlichkeiten des Klosters, in denen Sie den OP, einen Behandlungsraum für Laser, einen Raum für spezielle Diagnostik, einen Raum für Instrumentenpflege und Sterilisation sowie einen Lagerraum eingerichtet hatte. Ich fand alles in optimalem Zustand vor und war tief beeindruckt von dem, was Schwester Aba dort auf die Beine gestellt hatte. Die von der Augenklinik des Margret Marquart Catholic Hospital in Kpando nach Jachie verlagerten Gerätschaften waren ordnungsgemäß aufgestellt. Sie hatten den Transport gut überstanden und befanden sich in funktionsfähigem Zustand.

Laserraum

spezielle Diagnostik

Operationssaal

Die im Gebäude des Convents umgestalteten Räumlichkeiten erfüllen alle Anforderungen, die man an eine OP-Abteileng und eine Abteilung für spezielle Diagnostik stellen kann. Zusammen mit unserem Equipment könnten sie unverändert sofort auch hier im Lande in Betrieb genommen werden. Das Ganze ist angegliedert an die schon seit etlichen Jahren von Sr. Aba betriebene Augenklinik etwa 2 km entfernt im Dorf. Auf sehr beengtem Raum wird dort mit hoher Effizienz und bewundernswertem Qualitätsmanagement der konservative Teil der Augenheilkunde betrieben. Bei einem kürzlich durchgeführten unangemeldeten Audit des National Health Insurance Service, der zehn Jahre zurückreichte, haben die Prüfer erklärt, eine solch perfekte Ordnung sei ihnen noch nirgendwo anders in Ghana begegnet. Sr. Aba wird von ihren zahlreichen Angestellten hoch geachtet und geliebt. Man hat den Eindruck, dass alle für sie durchs Feuer gehen würden. Ich selbst habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihr aufbauen können. Neben aller konzentrierten Planung haben wir ungeheuer viel gelacht und das Gefühl gewonnen, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Dr. Youfegan wird zu 1. Januar von Kpando nach Kumasi übersiedelt. Er wird seine Tätigkeit an der Anglican Eye Clinic Jachie am 2. Januar aufnehmen.

Die Tage der Woche waren angefüllt mit organisatorischen Aufgaben, der Etablierung administrativer Abläufe und der Wahrnehmung repräsentativer Verpflichtungen. Der Dienstag verging mit einem Besuch beim anglikanischen Erzbischof in Kumasi, der seinen großen Dank für die Einrichtung der durch die Aktion Volta Augenklinik neu geschaffenen Operationsabteilung an der Augenklinik in Jachie bewegt zum Ausdruck brachte. Er lud mich gemeinsam mit Schwester Aba und Dr. Youfegan zum Essen in ein schönes Hotel ein und entpuppte sich dabei als interessanter und humorvoller Gesprächspartner, auf dessen Unterstützung wir rechnen können. Als ich am Mittwoch aufstand, fand ich den Garten des Klosters völlig verändert vor. Über Nacht waren hier Zelte und Lautsprecheranlagen aufgestellt worden und ab neun Uhr trafen zunächst der Erzbischof mit großem Klerusgefolge und sodann etliche leitende Persönlichkeiten aus Politik und Gesundheitswesen der Ashanti-Region zu einer Einweihungsfeier ein. Dazu Presse und Fernsehen. Nach zahlreichen Dankesreden erfolgte die Einsegnung der Räumlichkeiten durch den Erzbischof, gefolgt von einer Führung durch mich und Erklärung der einzelnen Räume und ihrer Funktionen. Den PR-Höhepunkt der Woche bildete dann am Donnerstag ein kurzer Empfang durch den mächtigen König der Ashanti in seinem Palastgarten in Kumasi. Die Ashantimonarchie besteht immerhin seit etwa 1680 und umfasste zeitweise neben fast ganz Ghana auch große Teile von Togo und der Elfenbeinküste.

Die restlichen zwei Tage waren angefüllt mit weiteren Planungen und organisatorischen Absprachen. Am Sonntag wurde ich von Schwester Aba und Dr. Youfegan wieder zu Flugplatz nach Accra gebracht und mit großer Herzlichkeit verabschiedet.

Anzumerken bleibt noch, dass die Geschehnisse des Hinfluges offenbar in die Annalen der KLM eingegangen waren und ich als erster und ganz allein vor allen Mitreisenden das Flugzeug betreten durfte, um in Ruhe mein Gepäck zu verstauen.